Eine Handaufzucht ist immer mit hohen Risiken verbunden und sollte nur im Notfall erfolgen. Je jünger die Babys sind, desto größer ist die Sterberate, trotz Gewährleistung bester Bedingungen. So traurig das klingen mag, jedoch können wir die Mutter nicht zu 100% ersetzen. Seien Sie also realistisch, wenn Sie sich dieser Herausforderung gegenüber stehen und suchen Sie nicht die Schuld bei sich, sollten es die Kleinen nicht schaffen.

Zunächst sollten die Kleinen in einem Notfall von der Mutter getrennt werden. Verwenden Sie das gebaute Nest der Mutter oder formen Sie mit dem Nistmaterial selbst ein Nest. Geben Sie das Nest in einen Pappkarton, welcher oben offen ist. Der Karton sollte ausreichend hoch sein und nicht zu breit. Packen Sie den Karton in Kissen und Decken, aber lassen Sie einen kleinen Lüftungsschlitz am Deckel. So haben es die Kleinen schön warm im Ersatznest.

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Von Rotlicht rate ich dringend ab, da es tief in die Haut eindringt und die Kleinen austrocknen kann. Es wird auf manchen Seiten empfohlen, das Rotlicht mindestens 1,5 Meter vom Nest entfernt aufzustellen und lediglich 15 Minuten mit 30 minütigen Pausen brennen zu lassen. Ich empfehle eher eine Wärmflasche unter dem Karton, welche regelmäßig erneuert wird oder ein Wärmekissen.

Für den Notfall sollten Sie folgende Sachen im Haus haben:

  • Katzenaufzuchtmilch (z.b. von Gimpet) – KEINE Katzenmilch
  • Kamillen- oder Fencheltee
  • Einwegspritzen ohne Kanüle, 1ml
  • Sab Simplex

Bei einer Handaufzucht gewinnen die Jungtiere in der Regel nicht so schnell an Gewicht, wie bei der Aufzucht durch die Mutter. Ich empfehle daher, täglich vor dem Füttern zu wiegen, um das Gewicht zu beobachten. Auch würde ich die verzehrte Milchmenge dokumentieren.

Da Handaufzuchten häufig zu Blähungen neigen, ist hier besondere Aufmerksamkeit geboten. Sobald sich der Bauch gebläht, voll anfühlt, geben Sie bitte 1ml Sab Simplex pur ein und massieren Sie vorsichtig den Bauch. Stellt sich nicht innerhalb von zwei Stunden eine Besserung ein, wiederholen Sie die Sab Simplex-Gabe. Wenn sich keine Besserung einstellt, gehen Sie bitte unbedingt zu einem kaninchenerfahrenen Tierarzt, der ihnen ein entkrampfendes Mittel spritzen wird.

Ausführliche Informationen zur Handaufzucht finden Sie unter:

  • http://www.bunnyhilfe.de/aufzucht/kaninchenbabies.php

Anlegen bei der Mutter

Diese Variante habe ich erfolgreich bei der Handaufzucht meiner 5 Babys angewandt und empfehle sie daher als ersten Versuch. Dies ist nur möglich, wenn die Mutter gesund und kräftig ist und auch Milch produziert hat. Die Babys sollten zwei- bis dreimal am Tag bei der Mutter angelegt werden.

Für diese Variante sind 2 Personen von Vorteil. Setzen Sie die Mutter mit einem Handtuch auf Ihren Schoß und lenken Sie sie mit Frischfutter, leckeren frischen Kräutern oder Leckerchen ab. Idealerweise verbinden Sie das Säugen mit den täglichen Mahlzeiten der Mutter. Schieben Sie die Babys zügig nacheinander seitlich unter den Bauch der Mutter. Die Kleinen finden instinktiv die Zitzen und fangen an zu trinken. Warten Sie, bis auch das letzte seine Mahlzeit beendet hat. Die Mutter kann nun wieder zurück in ihr Gehege. Die Kleinen müssen nun zügig der Bauch in Richtung After massiert werden, damit die Verdauung angeregt wird. Nun müssen die Kleinen schnell wieder zurück ins warme Nest, damit sie nicht auskühlen.

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Diese Variante verspricht hohe Erfolge, denn die Kleinen bekommen die nahrhafte Muttermilch und sind bestens versorgt.

Aufzucht mit Ersatzmilch

Diese Variante ist risikoreicher, weil die Ersatzmilch nicht so nahrhaft, wie die Muttermilch ist. Zudem wird die Ersatzmilch oft zunächst von den Babys abgelehnt, sodass wertvolle Zeit verstreicht und die Babys geschwächt werden.

Die Aufzucht mit Ersatzmilch erfolgt mittels Katzenaufzuchtmilch (niemals Katzenmilch oder Menschensäuglingsmilch). Ich habe gute Erfahrungen mit der Katzenaufzuchtmilch der Firma Gimpet gemacht. Die Milch wird im Verhältnis 1:2 angerührt. Ein gestrichener Esslöffel Milchpulver und zwei Esslöffel Flüssigkeit. Rühren Sie die Milch nur mit warmen Kamillen- oder Fencheltee an! Die Milch sollte bei Körpertemperatur (36-38°C) verabreicht werden.

Oft wird die Milch zunächst verschmäht. Sie müssen sich erst auf die neue unbekannte Milch einstellen, was etwas Zeit in Anspruch nehmen kann. Mit etwas Hartnäckigkeit und Einfühlungsvermögen werden die Kleinen aber schnell lernen, dass die Milch satt macht. Achten Sie unbedingt darauf, dass die Kleinen nichts in die Atemwege bekommen. Die ersten paar Tage sollten die Kleinen pro Mahlzeit 1ml trinken. Sind die Kaninchen an die neue Milch gewöhnt, sollte man sie solange trinken lassen, wie sie möchten.

Die Fütterung erfolgt je nach Alter und Zustand der Babys aller 2 bis 4 Stunden. Die Katzenaufzuchtmilch ist nicht so nahrhaft wie die Muttermilch. Außerdem trinken die Babys weniger. Auch über die Nacht muss der Rhythmus beibehalten werden. Vergessen Sie bitte nach der Fütterung niemals die Massage der Bäuche Richtung After!

Entwicklung bei der Handaufzucht

Ab 2 Wochen sollte der Karton mit dem Nest einen seitlichen Ausgang erhalten und in einem sicheren Babyauslauf integriert werden. Die Kleinen verlassen nun das Nest für kurze Ausflüge. Der Auslauf sollte groß genug sein, denn sie sind schon agil, flink und neugierig. Die Abgrenzung sollte bereits 50 cm hoch sein und die Abstände der Gitter so schmal, dass kein Baby ausbrechen kann. Geben Sie ausreichend Heu in die Kinderstube, denn daran wird schon fleißig geknabbert.

Ab der 3. bis 4. Woche können Sie zusätzlich zur Milch verträgliches Frischfutter (Karotte, Steckrübe, Sellerie, …) anbieten, denn sie probieren schon feste Nahrung.

Mit ungefähr 4 bis 6 Wochen würde ich die tägliche Fütterung der Kleinen allmählich reduzieren und sie nur noch ein- bis zweimal am Tag bei der Mutter anlegen, bzw. den Abstand der Mahlzeiten mit der Katzenaufzuchtmilch erhöhen.

Ab 4 Wochen würde ich einen Wassernapf mit hohem Rand anbieten. Die Kleinen werden sicherer auf den Beinen, dennoch besteht die Gefahr, dass sie kopfüber reinfallen.

Die Kleinen brauchen viel Platz, damit sie ein kräftiges Herz-Kreislauf-System entwickeln, Skelett und Muskulatur richtig ausbilden können.

Da die Kleinen den Blinddarmkot der Mutter nicht aufnehmen können, um eine eigene gesunde Darmflora aufzubauen, sollten Sie ab 4 bis 6 Wochen damit beginnen, ihnen täglich nach Dosierungsanweisung das Probiotikum Bird Bene Bac zu verabreichen.